Körperscanner, Interessenkonflikte und Vetternwirtschaft


Sofort nach der dramatischen Festnahme des »Unterhosen-Bombers«, eines 23-jährigen Nigerianers auf dem Flug von Amsterdam nach Detroit, der angeblich Sprengstoff in seine Unterwäsche eingenäht hatte, wurde der Ruf laut, die umstrittenen Körper- oder Nacktscanner an den Flughäfen einzusetzen, um damit in Zukunft solche »Unterhosen-Bomber« ausfindig machen zu können. In den USA macht sich nun ein Mann ganz besonders für den Einsatz solcher Scanner stark: der frühere Minister für Heimatschutz, Michael Chertoff, dessen ehemalige Behörde für die Sicherheit an Flughäfen verantwortlich ist.

Schon Stunden nach dem versuchten Bombenanschlag redete alle Welt über die sogenannten Ganzkörperscanner als der »magischen Kugel«, mit der solche Attacken verhindert werden könnten. Senator Lieberman, ein bekannter Neocon, hat bereits Anhörungen angekündigt, wobei er so tut, als sei der Einsatz von Scannern bereits beschlossene Sache, denn eine der »vordringlichen Fragen, die bei dieser Anhörung beantwortet werden soll, lautet: warum wird die Ganzkörperscanner-Technik, mit der Sprengstoffe aufgespürt werden können, nicht in größerem Ausmaß eingesetzt?«

Der ehemalige Heimatschutzminister Michael Chertoff erklärte gegenüber der Washington Post:

»Man muss einen Weg finden, Gegenstände an Körperstellen zu finden, die nicht so leicht zu erreichen sind. Es muss entweder heißen: ›die Hosen runter‹, oder wir brauchen bildgebende Verfahren, wenn wir uns nicht darauf verlassen wollen, dass die bösen Jungs nicht so schlau sind, und ich denke, die bösen Jungs sind so schlau.«

Chertoff hat in den vergangenen Wochen mehrfach die Notwendigkeit betont, die Technik vermehrt an Flughäfen einzusetzen, weil damit Bomben wie die, die der 23-jährige Nigerianer Umar Farouk Abuldmutallab nach Auskunft der Behörden an Bord des Fluges nach Detroit geschmuggelt hatte, entdeckt werden könnten.

»Wir könnten die Scanner verwenden, die wir schon heute in den USA einzusetzen beginnen. Damit sind wir in der Lage, zu sehen, was jemand unter der Kleidung versteckt hat«, sagte Chertoff bei CNN. Der Vorfall von Detroit sei »eine anschauliche Lektion für den Wert dieser Geräte«.

Laut Chertoff hätte der Möchtegern-»Unterhosen-Bomber« von der Fughafensicherheit gestoppt werden können, wenn er mit einem Ganzkörperscanner untersucht worden wäre. Der Sprengstoff, den Umar Farouk Abdulmutallab in der Leistengegend versteckt hätte, wäre dadurch entdeckt worden.

Die amerikanische Behörde für Transportsicherheit des Heimatschutzministeriums, die für die Sicherheit auf Flughäfen verantwortlich ist, bezeichnet die Bilder als »so harmlos, dass sie sogar in der Vorschule aufgehängt werden könnten«. Die Bilder selbst sehen allerdings etwas anders aus, mehrere Organisationen protestierten bereits gegen den Einsatz dieser Geräte, weil er einen massiven Eingriff in die Privatsphäre darstelle. Neben der Frage der Verletzung der Privatsphäre fragt sich im Übrigen auch, ob die Geräte überhaupt funktionieren – und wer am meisten von ihrem Einsatz profitiert.

Eine Passagiervereinigung namens FlyersRights.org wirft Chertoff, der vor nicht einmal einem Jahr als Minister ausgeschieden ist, vor, er nutzte sein Ansehen als ehemaliger Minister, um ein Produkt eines seiner Kunden zu empfehlen. »Chertoff sollte das Vertrauen, das die Öffentlichkeit in ihn als ehemaligen Amtsträger setzt, nicht missbrauchen dürfen, um persönlich am Verkauf der Ganzkörperscanner zu verdienen, indem er behauptet, die Scanner hätten diese besondere Art von Sprengstoff sichtbar gemacht«, erklärte Kate Hanni, Gründerin der Organisation.

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