Steuerhinterziehung

Nach der Liechtenstein-Affäre ist der deutsche Fiskus nun im großen Stil deutschen Steuersündern in der Schweiz auf der Spur. Ein Informant hat den Finanzbehörden entsprechende Konto-Daten von etwa 1500 Deutschen angeboten.
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Sie sollen an der Steuer vorbei Millionen auf Schweizer Konten angelegt haben. Berichte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» und der «Süddeutsche Zeitung» wurden am Samstag in Berliner Regierungskreisen bestätigt. Bestätigt sich der Verdacht gegen die Steuerhinterzieher, haben Finanzämter durch Nachzahlungen Extra-Einnahmen in Millionenhöhe.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat über den Ankauf des Materials noch nicht entschieden. Der Informant habe eine Stichprobe des Materials, ausgehändigt. Die Prüfung der Finanzbehörden dauert an. Derzeit werde juristisch geprüft, ob der Staat die Daten überhaupt erwerben darf, hieß es in den Kreisen. Das Finanzministerium lehnte bislang unter Verweis auf das Steuergeheimnis eine Stellungnahme ab.

Derweil raten Experten von SPD und FDP dem Minister zum Ankauf der Daten. Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nicolette Kressl, teilte am Samstag mit: «Die angebotene CD enthält offenbar entscheidende Daten, die zur Aufklärung von zahlreichen Straftaten im Bereich der Steuerhinterziehung führen können.» Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt. «Niemand würde verstehen, wenn Schäuble sich weigert, die Straftäter zu überführen», sagte Kressl. Der Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Volker Wissing (FDP), sprach sich ebenfalls für einen Kauf der Daten aus. Zuvor müsse es aber eine Prüfung geben.

Der neuerliche Fall erinnert an die Liechtenstein-Affäre aus dem Frühjahr 2008, die den damaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel den Job kostete. Damals hatte der deutsche Auslandsgeheimdienst BND für Steuerdaten deutscher Anleger im Fürstentum bis zu fünf Millionen Euro bezahlt. Die Daten waren der Liechtensteiner LGT-Bank gestohlen und später von einem Informanten an den Bundesnachrichtendienst (BND) verkauft worden. Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte grünes Licht für den spektakulären Deal gegeben. Die Bochumer Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit noch in rund 400 weiteren Liechtenstein-Fällen.

Laut «FAZ» hat die Überprüfung der ersten Stichprobe aus der Schweiz ergeben, dass in jedem der fünf konkreten Fälle eine Steuernachzahlung von jeweils einer Million Euro fällig würde. Entsprechend würden die Ermittler damit rechnen, dass die Unterlagen rund 100 Millionen Euro in die Staatskasse spülen könnten, wenn Schäuble sich auf den Handel einlassen sollte.

Das Angebot ging nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» zunächst an die für spektakuläre Verfahren bekannte Steuerfahndung im Wuppertal, die den nordrhein-westfälischen Finanzminister Helmut Linssen (CDU) informierte. Linssen schaltete dann Schäuble ein. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Seit der Liechtenstein-Affäre würden den Finanzbehörden oder auch dem Ministerium immer wieder Daten zur Verfügung gestellt. «Diese Daten werden von den zuständigen Landesfinanzbehörden geprüft. Davon hängt das weitere Vorgehen ab», sagte der Sprecher. Das Finanzministerium rät allen Steuerpflichtigen, die ein schlechtes Gewissen haben, generell zur Selbstanzeige.

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