Was ist los in England.? Die Krawalle in London haben in der Nacht zu Dienstag auf weitere Städte übergegriffen und ganze Einkaufsstraßen in Schlachtfelder verwandelt.

In der dritten Nacht in Folge traten Jugendliche Fensterscheiben ein, Gebäude standen in Flammen, die Straßen waren mit Flaschen, Steinen und Glasscherben übersät. Teilweise hatte die Londoner Feuerwehr nicht mehr genügend Einsatzfahrzeuge zur Verfügung, um die Brände zu löschen. Die Polizei setzte 1700 zusätzliche Beamte ein, um die Kontrolle über die Straßen wiederzugewinnen. Es werden zunehmend auch Unruhen aus Bristol, Liverpool und Birmingham gemeldet. Premierminister David Cameron brach seinen Italien-Urlaub ab und berief ein Treffen des Krisenstabs ein.
Ein Bild der Verwüstung bot etwa das sozialschwache Ost-Londoner Viertel Woolwich. Eingeschlagene Schaufensterscheiben wohin man sieht, brennende Autos und Plünderer die sich mit ganzen Wagenladungen von Diebesgut ( meist Lebensmittel ) davon machen. Die Polizei nahm in der Hauptstadt mehr als 330 Menschen fest, weitere 100 in Birmingham.
“Wir haben keine Arbeit und kein Geld”,
begründete ein junger Mann im Londoner Stadtteil Hackney die geplünderten Lebensmittelläden. Politiker und die Polizei machen zwar Kriminelle und Hooligans für die Unruhen verantwortlich, immer mehr Soziologen und Anwohner sprechen jedoch von einem “wachsenden Unmut” in den häufig von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Vierteln.
Die britische Regierung versucht derzeit mit Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen und spart u.a. massiv im sozialen Bereich.
“Einer der wichtigsten Treiber ist die Schere zwischen Arm und Reich. Hier geht es um die Ausgeschlossenen”,
sagte der Gesellschaftswissenschaftler Mike Hardy. Ein 39-Jähriger Elektriker aus Hackney sagte, die Einschnitte hätten alles nur schlimmer gemacht.
“Das ist erst der Anfang.”
David Cameron dürfte jetzt unter Druck geraten, mehr für die armen Viertel der Hauptstadt zu unternehmen. Bislang hat er allerdings alle Forderungen zurückgewiesen, beim Sparen auf die Bremse zu treten und etwa die Hilfen für Jugendliche aus dem Sparpaket zu nehmen.
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