Im ersten Piraten-Prozess vor einem europäischen Gericht soll heute in Rotterdam das Urteil fallen.
Die niederländische Staatsanwaltschaft hat sieben Jahre Gefängnis für jeden der fünf angeklagten Somalier gefordert. Sie sollen Anfang Januar vergangenen Jahres im Golf von Aden einen unter der Flagge der niederländischen Antillen fahrenden türkischen Frachter angegriffen haben. Sie wurden von einem dänischen Kriegsschiff der im Golf patrouillierenden Anti-Piraten-Mission “Atalanta” der EU aufgegriffen und den niederländischen Behörden übergeben.
In einem anderen Fall entschied die niederländische Justiz unlängst, zehn mutmaßliche somalische Piraten an Deutschland auszuliefern.
(Das Foto zeigt die Crew der MV Faina The crew of the merchant vessel MV Faina stand on the deck of the ship Sunday, October 19, 2008, after a U.S. Navy request to check on their health and welfare. The Belize-flagged cargo ship, owned and operated by Kaalbye Shipping, Ukraine, was seized by pirates on September 25th and forced to proceed to anchorage off the Somali Coast. The ship is carrying a cargo of Ukrainian T-72 tanks and related military equipment.)
Update:
Im ersten Piratenprozess in Europa hat ein Gericht im niederländischen Rotterdam fünf somalische Angeklagte zu fünf Jahren Haft verurteilt. “Piraterie ist strafbar”, sagte der Vorsitzende Richter Jan Willem Klein Wolterink zur Urteilsbegründung. “Die Angeklagten wollten ein Schiff entführen”, es sei ein “Glück, dass niemand getötet oder verletzt wurde.” Piraterie sei eine “ernsthafte Bedrohung” der freien Schifffahrt. Die fehlende Sicherheit im Golf von Aden habe zudem weltweit wirtschaftliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft gefordert.
Die fünf Somalier im Alter zwischen 25 und 45 Jahren hatten am 2. Januar im Golf von Aden einen unter der Flagge der niederländischen Antillen fahrenden türkischen Frachter angegriffen. Sie wurden von einem dänischen Kriegsschiff der im Golf patrouillierenden Anti-Piraten-Mission “Atalanta” der EU aufgegriffen und den niederländischen Behörden übergeben. Seit Februar 2009 saßen sie in Untersuchungshaft.
Verteidiger Reinier Feiner kündigte Berufung an. Das Urteil sei “sehr hart”, die fünf Männer seien nicht einmal Mitglieder einer organisierten Bande gewesen, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Einer der Angeklagte rief bei der Urteilsverkündung: “Die Niederlande mögen Muslime nicht, das ist bekannt.” Die fünf Männer hatten zu Prozessbeginn alle Vorwürfe zurückgewiesen. Später gaben jedoch zwei von ihnen zu, die Entführung des Schiffes geplant zu haben.
In der vergangenen Woche hatten die niederländischen Behörden in einem anderen Fall zehn mutmaßliche somalische Piraten an Deutschland ausgeliefert. Sie waren im April rund 900 Kilometer vor der Küste Somalias von niederländischen Marinesoldaten an Bord des unter deutscher Flagge fahrenden Frachters “MS Taipan” festgenommen worden.
Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft bereitet derzeit die Anklage vor und rechnet damit, dass es “im Spätsommer oder Frühherbst” zur offiziellen Anklageerhebung kommen wird. Den Männern wird ein Angriff auf den Luft- und Seeverkehr sowie versuchter erpresserischer Menschenraub vorgeworfen.
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...