Sieben Minuten…

Die eigentliche Nachricht war nur sehr kurz, sie lautete:
Ein 17-Jähriger erschießt in einer Realschule in Winnenden bei Stuttgart/Baden-Württemberg und bei seiner anschließenden Flucht 15 Personen und nimmt sich nach einem Schusswechsel mit der Polizei das Leben. Der Täter war ein ehemaliger Schüler der Realschule.

Als ich diese Nachricht hörte, war mein erster Gedanke, jetzt geht das wieder los…
Mit dem Wort “das” meine ich die sattsam bekannte “Berichterstattung” deutscher Qualitätsmedien in Fällen wie dem o. beschriebenen. Mein Bauchgefühl sagte mir, hier kannst Du wieder mit Allem rechnen, nur nicht mit einer sachlichen Berichterstattung.
Was soll ich sagen, mein Bauch hatte recht denn bereits sieben Minuten nach dieser brutalen, unfassbaren Tat, als alle noch von Entsetzen gelähmt, die Toten noch nicht mit Decken bedeckt waren…der Schock sich bei den Betroffenen breit machte, exakt sieben Minuten nach diesem Grauen hatte die Presse die Ursache für diesen Amoklauf parat, den Fall damit quasi gelöst.
Schuld an dieser Tat, der Auslöser für diese Tat -wie kann es anders sein- sind die “Killerspiele, ist das Internet”…

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Noch Fragen.?

Und während in anderen Ländern(Finnland/USA)bereits nach den Massakern von Columbine in Littleton/Colorado die richtigen Konsequenzen gezogen wurden, man z.B. Lehrer weiterbildet und besser bezahlt, Psychologen in Schulen schickt damit die mit den Schülern notfalls arbeiten…Ganztagsschulen einrichtet usw. gefällt man sich in Deutschland immer noch in der Rolle des satten Besserwissers und weißt -wie immer eigentlich- alle Schuld von sich… denn wir haben doch hier keine Probleme in diesem Land, an unseren Schulen. Diese Tat war doch wieder nur die Tat eines verwirrten,schießwütigen… eines spielsüchtigen Junkies der stundenlang “Killerspiele” spielte… und sonst nichts gebacken kriegt.

streit2
Es ist ja so einfach in diesem Land.

Was nicht passt, wird passend gemacht…
Regelmäßig nach solchen Taten prostituieren sich dann ganze Heerscharen von Politikern vor laufenden Kameras, heucheln Betroffenheit und fragen medienwirksam nach dem WARUM.?
Lösungen haben diese Leute meist auch schon parat: das Waffengesetz muß z.B. verschärft werden und… ganz wichtig…”Killerspiele” müßen verboten werden..!
Das sind deren Antworten, daß ist alles, mehr kommt nicht von denen… seit Columbine immer die gleiche Leier, immer der selbe abgedroschene Text der -so sieht es zumindest die Mehrheit der Deutschen- über die wirklichen Probleme hinweg täuschen soll. Die wichtigen Fragen werden auch hier bewusst nicht gestellt, die klammert ,man aus… genauso wie 2006 im nordrhein-westfälischen Emsdetten (37 Verletzte), 2002 im thüringischen Erfurt (16 Tote), im selben Jahr im bayrischen Eching (drei Tote), 2000 im bayrischen Brannenburg (ein Toter), 1999 im sächsischen Meißen (eine Tote), 1983 im hessischen Vockenhausen (fünf Tote) und 1964 in Köln (zehn Tote, 26 Schwerverletzte).
Über die eigentlichen Probleme -die nachweislich alle Täter gehabt haben- spricht man nicht…man spricht einfach nicht über Gewalt unter Jugendlichen, man spricht nicht über ausufernden Erfolgsdruck an Schulen, man spricht nicht über Gewalt an Schulen oder darüber das es etwa in der Realschule von Winnenden sog. Streiträume gibt oder sog. Streitpolizisten, man spricht nicht über Mobbing etc.! Und sollte trotzdem mal ein “Abschiedsbrief” im Internet auftauchen, wird dieser leise, still und heimlich von den Behörden entfernt. Punkt.
Und weil das so ist, weil man lieber weg sieht, weil man nicht über real vorhandene Probleme spricht in diesem Land, weil man nicht mit Problemen belästigt werden möchte, werden wir damit leben müssen, daß sich Amokläufe an deutschen Schulen wiederholen…daß es wieder Tote geben wird. Das nehmen wir alle sozusagen billigend in Kauf.

Kollateralschäden nennt man das wohl.

umzeichnung

23. September 2008, Finnland: Ein 22-jähriger Berufsschüler erschießt an seiner Schule im Westen Finnlands neun Schüler und einen Lehrer. Anschließend richtet er die Waffe gegen sich selbst und erliegt später seinen Verletzungen. Noch am Tag vor der Tat war er wegen Gewaltvideos von der Polizei verhört worden.

14. Februar 2008, USA: Ein ehemaliger Student tötet an der Northern Illinois University fünf Menschen und verletzt 18, bevor er sich das Leben nimmt.

7. November 2007, Finnland: In Jokela erschießt ein 18-Jähriger acht Menschen, darunter sechs Mitschüler, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtet.

16. April 2007, USA: An der Technischen Universität von Virginia erschießt ein Mann 32 Menschen und verletzt 15, der folgenschwerste Vorfall dieser Art in der Geschichte der USA.

Das auf einer Internetseite veröffentlichte Foto des Amokläufers von Emsdetten
Das auf einer Internetseite veröffentlichte Foto des Amokläufers von Emsdetten

20. November 2006, Deutschland: In Emsdetten eröffnet ein 18-Jähriger das Feuer in seiner ehemaligen Schule. 37 Menschen werden verletzt, bevor der Täter Selbstmord begeht.

2. Oktober 2006, USA: Der Fahrer eines Lieferwagens eröffnet in Pennsylvania das Feuer im Klassenzimmer einer Schule der Amish, einer christlichen Religionsgemeinschaft. Fünf Mädchen werden getötet, fünf verletzt.

21. März 2005, USA: Ein 16-jähriger Oberschüler erschießt fünf Schüler, einen Lehrer und einen Wachmann an einer Schule in einem Indianer-Reservat in Minnesota. Er tötet zudem seinen Großvater und dessen Freund.

26. April 2002, Deutschland: Beim Amoklauf in einem Erfurter Gymnasium tötet ein 19-Jähriger binnen zehn Minuten 16 Menschen und sich selbst. Unter den Toten sind zwölf Lehrer, die Schulsekretärin, zwei Schüler und ein Polizist. 20.

Februar 2002, Deutschland: Im oberbayrischen Eching erschießt ein Amokläufer in einer Dekorationsfirma den Betriebsleiter und einen Vorarbeiter. Danach fährt der 22-Jährige ins nahe Freising und erschießt den Direktor der Wirtschaftsschule, von der er suspendiert worden war. Einen weiteren Lehrer verletzt er mit einem Schuss schwer. Dann tötet er sich mit einem Schuss in den Mund.

8. Juni 2001, Japan: Ein Mann ersticht an einer Grundschule nahe Osaka acht Kinder. Weitere 20 Schüler überleben den Amoklauf schwer verletzt.

20. April 1999, USA: An der Oberschule von Columbine in Littleton in Colorado töten zwei Jugendliche zwölf Mitschüler und einen Lehrer, bevor sie sich selbst erschießen.