Bundeswehr beteiligt sich am Angriff auf IRAN

Ein Volk, ein Reich, ein Reiseführer: Wie die Bundeswehr einen Krieg gegen den Iran plant

Gerhard Wisnewski

Deutschland beabsichtigt einen Krieg mit Iran. Beweis: Ein Bundeswehr-Sprachführer auf Persisch. Darin lernt der brave Soldat, wie man die finsteren Iraner mit »Hände hoch!« und »Mund halten!« anblafft. Und das wiederum ist typisch deutsch: Wenn schon ein Angriffskrieg, dann aber perfekt geplant.

General view of Tehran's cityscape is seen from central Tehran

Was wäre der Deutsche ohne seine Reiseführer! Jedes Jahr schwärmen Millionen Teutonen aus, um die Länder der Welt mit ihrer Neugier zu beglücken. Und der Reiseführer darf dabei nicht fehlen. Beziehungsweise der Sprachführer. In knappen Sätzen machen uns die kleinen Bändchen mit der Landessprache vertraut. Vorne prangt meistens das Bild einer bekannten Sehenswürdigkeit. Egal ob im Café oder im Kaufmannsladen, stellen sie schnelle Floskeln für unsere Alltagsgeschäfte bereit. Zum Beispiel: »Wie geht es Ihnen?«, »Was kostet ein Tee?«, »Wieviel Uhr ist es?« und so weiter.

Die Verrohung des deutschen Touristen

Nur scheint der deutsche Tourist neuerdings zunehmend zu verrohen. Jedenfalls wenn man einen Sprachführer betrachtet, auf dem vorne der Freiheitsturm von Teheran zu sehen ist. Denn die hier abgedruckten Floskeln erscheinen doch etwas grob: »Halt, oder ich schieße! Ist jaa schelik mikonam! Die Hände hoch! Dastaa baalaa! Widerstand ist zwecklos! Moghawemat bifaayede ast! Geben Sie auf! Taslim schawid!« Puh – ist denn das nötig? Sollten Teheraner Kaffeehausbesitzer ihren Tee neuerdings tatsächlich nicht mehr freiwillig herausrücken? Muss der deutsche Tourist von Morgen seine Erfrischungen tatsächlich mit vorgehaltener Knarre bestellen? Und zwar nicht ohne den Wirt anschließend zu kidnappen? »Sie sind festgenommen. Schomaa dastgir schode’id. Mund halten! Dscheloye dahanetuno begirid!«

Ich weiß nicht, wie Sie das sehen – aber unter deutschen Urlaubern scheint eine gewisse Brutalität Platz zu greifen. Des Rätsels Lösung: Es handelt sich um einen Sprachführer der Bundeswehr. Aber wofür braucht denn die Bundeswehr einen Sprachführer für Persisch, also quasi »Iranisch«? Es wird sich doch nicht etwa um die Fortsetzung jener bewaffneten Reisewelle handeln, die 1939 schon einmal von Deutschland ausging? Nicht doch: Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte gegenüber der Zeitung Junge Welt, dass Persisch ja »auch in Tadschikistan und Afghanistan eine der Amtssprachen ist«.

Wie einmal der Kriegsplan von Herrn Schmidt aufflog

Achso – dann ist ja alles in Ordnung! Nichts ist in Ordnung. Das kleine Problem besteht nämlich darin, dass da, wo die Bundeswehr in Afghanistan stationiert ist (im Norden), eher kein Persisch gesprochen wird, sondern Turkmenisch, Paschtunisch und Tadschikisch.

Dumm gelaufen. Das fand auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Christian Schmidt, als er sich am 27. Januar 2010 im Bundestag einer entsprechenden Anfrage der Linken-Abgeordneten Inge Höger stellen musste. Prompt kriegte er da nämlich das große Fracksausen. Ganz offenbar war Höger gerade dabei, die geheimen Kriegspläne gegen den Iran zu enthüllen. Ihre Frage: Warum das Bundessprachenamt, das zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung gehört, einen »Persisch-Sprachführer für die Bundeswehr« druckt, »dessen Vokabular sich insbesondere auf den Iran bezieht und militärische Befehle beinhaltet«.

Eine gute Frage. Vielleicht zu gut. Denn dem Parlamentarischen Staatssekretär zerbröselt daraufhin glatt seine pseudo-staatsmännische Pose. In Afghanistan werde nun mal auch Persisch gesprochen, greift er auf die bekannte Sprachregelung zurück. Also ein Dementi – das allerdings gleich wieder widerrufen wird. Denn im selben Zusammenhang zitiert der Staatssekretär den israelischen Staatspräsidenten Shimon Perez, der am selben Tag im Bundestag gesprochen hat. Und dieser wiederum habe aus Angela Merkels Rede vor dem amerikanischen Kongress am 3. November 2009 zitiert. Und zwar so: »Ein Angriff auf Israel ist wie ein Angriff auf uns« – also auf Deutschland.

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